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Managed Kubernetes in der Schweiz: Ein ehrlicher Vergleich aller Anbieter

Managed Kubernetes in der Schweiz: Ein ehrlicher Vergleich aller Anbieter

Wer Kubernetes in der Schweiz produktiv betreiben möchte, steht früher oder später vor einer Entscheidung: selbst hosten, einen lokalen Managed-Anbieter wählen oder auf einen Hyperscaler setzen. Alle drei Wege funktionieren. Sie unterscheiden sich aber erheblich darin, was dein Team danach leisten muss.

Dieser Post vergleicht die wichtigsten Optionen ehrlich und ohne zu verschweigen, wo wir selbst stärker oder schwächer sind.

Option 1: Kubernetes selbst betreiben

Wer Kubernetes auf eigener oder gemieteter Infrastruktur selbst betreibt, hat maximale Kontrolle. Aber diese Kontrolle hat ihren Preis: Das gesamte Day-2-Operations-Spektrum liegt beim eigenen Team.

Was das bedeutet:

  • Cluster-Upgrades dreimal pro Jahr, manuell koordiniert (Minor Releases dürfen nicht übersprungen werden; von 1.34 direkt auf 1.36 ist nicht möglich)
  • Upgrade-Abfolge selbst managen: Control Plane zuerst, dann Nodes einzeln per cordon/drain/upgrade/uncordon
  • Observability-Stack (Prometheus, Grafana, Loki) selbst aufsetzen und pflegen
  • Security-Patches, cert-manager, Secret Management und Backups (alles intern)
  • Kubernetes Secrets standardmässig nicht verschlüsselt: Encryption at Rest oder ein externer Secret Store muss aktiv konfiguriert werden
  • CKA-zertifizierte Engineers intern aufbauen oder einstellen

Hinzu kommen Entscheidungen, die vor dem ersten Cluster getroffen werden müssen und später nur mit Aufwand revidierbar sind: Welche Kubernetes-Distribution? (kubeadm, K3s oder RKE2, jedes Tool hat einen eigenen Upgrade-Pfad.) Welches CNI-Plugin? (Cilium, Calico und Flannel unterscheiden sich erheblich in den Network-Policy-Fähigkeiten und im Performance-Profil.) Welcher Ingress Controller? (Hinweis: ingress-nginx wurde im März 2026 eingestellt; HAProxy oder Traefik sind jetzt die empfohlenen Alternativen.) Für Hochverfügbarkeit braucht die Control Plane mindestens drei Nodes für etcd-Quorum. Das sind alles lösbare Probleme, aber jede Entscheidung bedeutet Know-how, das aufgebaut und langfristig gewartet werden muss.

Sinnvoll wenn: Dein Team hat tiefere Kubernetes-Expertise, Zeit für Plattform-Ops und spezifische Anforderungen, die kein Managed-Anbieter abdeckt.

Kritisch betrachtet: Für die meisten Schweizer KMU und Scale-ups ist Self-Hosted eine versteckte Kostenfalle. Der initiale Aufbau ist machbar; der laufende Betrieb unterschätzt fast jedes Team.


Option 2: Exoscale SKS

Exoscale ist der direkteste Schweizer Konkurrent im Kubernetes-Markt. SKS (Scalable Kubernetes Service) ist in Europa gehostet und CNCF-zertifiziert.

Was Exoscale gut macht:

  • Kostenloser Starter-Cluster: sehr niedrige Einstiegshürde
  • Schnelle Cluster-Bereitstellung
  • CNCF-zertifizierte Plattform
  • Transparente, sekundengenaue Abrechnung

Hinweis zur Eigentümerschaft: Exoscale wurde in Genf gegründet und ist in der Schweiz domiziliert. Exoscale ist eine 100-prozentige Tochtergesellschaft der A1 Telekom Austria Group (via A1 Digital International GmbH). Für Unternehmen mit strikten Anforderungen an Schweizer Eigentümerschaft ist das relevant, auch wenn die Infrastruktur in der Schweiz und der EU betrieben wird.

Wo die Grenze liegt:

  • SKS ist ein Managed Control Plane, nicht ein Managed Stack. Monitoring, Logging, Backups, GitOps: das liegt beim Kunden.
  • Kein integrierter Observability-Stack out of the box
  • Kein Support durch CKA-zertifizierte Engineers als direkte Ansprechpersonen
  • Keine Managed Databases oder weiteren Services im selben Ökosystem

Sinnvoll wenn: Du interne Kubernetes-Expertise hast, nur die Control Plane auslagern möchtest und einen günstigen Einstieg suchst.


Option 3: Hyperscaler (AWS EKS, Azure AKS, Google GKE)

Die Hyperscaler bieten das breiteste Ökosystem und die höchste globale Skalierbarkeit. Für viele internationale Produkte ist das die richtige Wahl.

Was Hyperscaler gut machen:

  • Riesiges Ökosystem an integrierten Services
  • Globale Multi-Region-Deployments
  • Teilweise kostenlose Control Planes (AKS, GKE Autopilot)
  • Neueste Kubernetes-Features zuerst

Wo die Grenze liegt:

  • AWS, Azure und Google sind US-Unternehmen. Ihre Rechenzentren in Zürich oder Frankfurt ändern daran nichts: Wer auf US-Infrastruktur baut, fällt unter den CLOUD Act. (Hinweis: AWS hat im Januar 2026 eine European Sovereign Cloud in Deutschland lanciert, die gezielt CLOUD-Act-Bedenken adressieren soll, in der Schweiz ist diese jedoch noch nicht verfügbar.)
  • Kosten sind schwer vorhersagbar («Bill Shock»)
  • Der Managed-Anteil beschränkt sich meist auf die Control Plane, der Rest liegt beim Kunden
  • Kein persönlicher Support: Ticketsystem, kein direkter Ansprechpartner

Sinnvoll wenn: Globale Skalierung Priorität hat, Datensouveränität keine Rolle spielt und du das Budget für Hyperscaler-Kosten einplanst.


Option 4: VSHN (APPUiO Cloud / VSHN Managed OpenShift)

VSHN ist ein Schweizer Anbieter mit Sitz in Zürich. APPUiO Cloud ist ihre gemeinsame Managed-OpenShift-Plattform; VSHN Managed OpenShift (früher APPUiO Managed, umbenannt im Februar 2025) ist eine dedizierte Variante für eigene Cluster.

Wichtiger Hinweis zum Scope dieses Abschnitts: Dieser Abschnitt beschreibt APPUiO Cloud und VSHN Managed OpenShift, die OpenShift-basierten Hauptprodukte von VSHN. VSHN bot bisher auch Managed Kubernetes auf EKS, GKE, AKS und Exoscale SKS an; diese Produkte wurden inzwischen eingestellt. VSHN fokussiert sich aktuell auf OpenShift-basierte Managed-Plattformen.

Was VSHN gut macht:

  • Vollständig in der Schweiz gehostet und betrieben
  • Managed-Plattform mit Monitoring, Logging und Backups
  • Starker Fokus auf Compliance und regulierte Branchen
  • Erfahrenes Team mit breiter Open-Source-Expertise

Wo die Grenze liegt:

  • Beide Produkte basieren auf OpenShift (Red Hat): Wer später zu einer anderen Plattform wechseln möchte, trägt OpenShift-spezifische Abhängigkeiten mit sich
  • Preisstruktur ist weniger transparent als bei verbrauchsbasierter Abrechnung
  • Primär enterprise-fokussiert, Einstieg für kleinere Teams vergleichsweise aufwendig

Sinnvoll wenn: Du eine OpenShift-Umgebung suchst oder bereits Red-Hat-Erfahrung im Team hast und Schweizer Datenhoheit benötigst.


Option 5: Swisscom Sovereign Kubernetes Service

Swisscom hat im August 2025 einen Sovereign Kubernetes Service (GA) lanciert, aufgebaut auf der Kubermatic Kubernetes Platform (KKP). Der Dienst läuft ausschliesslich in Schweizer Rechenzentren, ist CNCF-zertifiziert und hatte per April 2026 rund 390 Produktionscluster mit über 2'100 Worker Nodes in Betrieb.

Was Swisscom gut macht:

  • Ausschliesslich in Schweizer Rechenzentren, volle Schweizer Datenhoheit
  • Schweizer Eigentümerschaft: mehrheitlich im Besitz des Bundes
  • CNCF-zertifiziertes Kubernetes
  • Enterprise-SLA, gestützt auf den grössten Schweizer Telekomanbieter
  • Beachtlicher Produktions-Footprint nach weniger als einem Jahr GA

Wo die Grenze liegt:

  • Aktuell Enterprise- und Private-Cloud-fokussiert: für KMU weniger klar positioniert
  • Plattform basiert auf KKP (Kubermatic Kubernetes Platform) eines Drittanbieters, nicht in-house entwickelt
  • Preise nicht öffentlich kommuniziert
  • Kein integriertes Ökosystem für Managed Databases, Object Storage oder Caches

Sinnvoll wenn: Du ein grösseres Unternehmen bist, bereits eine Swisscom-Beziehung hast und strenge Anforderungen an Schweizer Datenhoheit stellst.


Option 6: Infomaniak Managed Kubernetes

Infomaniak ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Genf, das im Januar 2026 ein Managed Kubernetes-Angebot lanciert hat. Der Dienst läuft in Schweizer Rechenzentren und ist in zwei Stufen verfügbar: ein kostenloser Shared-Tier und ein Dedicated-Tier mit 99.9 % Uptime SLA.

Was Infomaniak gut macht:

  • Schweizer Unternehmen, Schweizer Rechenzentren, volle Schweizer Datenhoheit
  • Kostenloser Shared-Tier: sehr niedrige Einstiegshürde für Tests und kleinere Workloads
  • Dedicated-Tier mit 99.9 % Uptime SLA für Produktions-Workloads
  • Integriert in das breitere Infomaniak-Ökosystem (Object Storage, Cloud-Hosting)

Wo die Grenze liegt:

  • Lanciert im Januar 2026: vergleichsweise neues Produkt mit noch begrenztem Produktions-Track-Record
  • Feature-Set und Dokumentation noch im Aufbau
  • Observability, GitOps und Secret Management verbleiben beim Kunden
  • Weniger etablierter Engineering-Support für Kubernetes-Randfälle als Anbieter mit längerer Geschichte

Sinnvoll wenn: Du bereits Infomaniak-Services nutzt, eine Schweizer Alternative mit kostenlosem Einstieg suchst und für den Rest des Stacks interne Kubernetes-Expertise mitbringst.


Option 7: Nine Kubernetes Engine (NKE)

Wir bieten mit NKE einen anderen Ansatz: nicht nur die Control Plane, sondern den gesamten Stack und alles auf Schweizer Infrastruktur.

Was NKE abdeckt:

  • RKE2-basiert (CIS-gehärtet, FIPS-fähig) mit Cilium als CNI (CNCF Graduated Project)
  • Automatische Cluster-Upgrades (Control Plane und Worker Nodes, inklusive korrekter Upgrade-Reihenfolge ohne Versions-Skipping)
  • Vollständiger Observability-Stack: Prometheus, Grafana, Loki und Alertmanager (preconfigured ab Tag 1)
  • GitOps mit ArgoCD, cert-manager, Secret Management via External Secrets Operator und Backups
  • Schweizer Datenresidenz: kein CLOUD Act, kein FISA, nDSG- und DSGVO-konform
  • 99.5 % Uptime SLA (99.95 % auf Managed GKE)
  • Managed Databases, Object Storage und Managed Caches direkt integrierbar (kein Ökosystem-Wechsel nötig)
  • CKA-zertifizierte Engineers als direkte Ansprechpersonen

Wo unsere Grenzen liegen:

  • Kein kostenloser Starter-Tier: Der Einstieg ist teurer als bei Exoscale
  • Weniger Ökosystem-Breite als Hyperscaler
  • Primär auf den Schweizer und DACH-Markt ausgerichtet

Sinnvoll wenn: Du den vollständigen Ops-Aufwand auslagern möchtest, Schweizer Datenhoheit wichtig ist und du einen direkten Ansprechpartner bevorzugst.


Entscheidungshilfe

Self-HostedExoscale SKSHyperscalerVSHNSwisscom K8sInfomaniakNKE
Was ist managed?NichtsControl PlaneControl PlaneVollständiger StackVollständiger StackControl PlaneVollständiger Stack
Node-Upgrades gemanagtTeilweise
Observability inklusive
Schweizer Datenhoheit✅ (je nach Infra)⚠️ CLOUD Act
Schweizer Eigentümerschaft✅ (je nach Infra)⚠️ A1 Telekom Austria (AT)❌ US-Konzern✅ (Mehrheit Bund)
EinstiegskostenTief (versteckte Ops-Kosten)Kostenlos (Starter)Tief bis kostenlosMittel–HochNicht öffentlichKostenlos (Shared)Ab CHF 305.30/Mt.
Ops-Aufwand internHochMittelMittelTiefTiefMittelTief
Plattform-Lock-inKeinerKeinerTeilweiseOpenShift (Red Hat)⚠️ KKP (Kubermatic)KeinerKeiner
Persönlicher Support✅ Enterprise✅ CKA-zertifiziert

Von GKE zu NKE: Wenn der CLOUD Act zum Auslöser wird

Ein häufiger Ausgangspunkt für die Evaluierung von NKE ist eine bestehende GKE-Installation. Teams, die gut mit Google Kubernetes Engine gefahren sind, aber wegen Datenschutzanforderungen, Compliance-Prüfungen oder Kundenvorgaben unter Druck geraten, fragen sich: Wie aufwendig ist eine Migration?

Ein konkretes Beispiel aus unserer Praxis: mühlemann+popp betreute eine Anwendung für einen Healthcare-Kunden, der medizinische Daten ausschliesslich in der Schweiz verarbeiten wollte. Google Cloud mit kundengesteuerten Schlüsseln reichte dem Kunden nicht aus, denn entscheidend war der CLOUD Act. Die Anwendung lief auf GKE; gefragt war eine Lösung, die sich analog verhält, aber auf Schweizer Infrastruktur läuft.

Die Migration zu NKE verlief ohne nennenswerte Ausfallzeiten und im Budgetrahmen. Angepasst wurde vor allem der Storage-Layer: Google Cloud Storage wurde durch unser S3-kompatibles Object Storage ersetzt. ArgoCD, Grafana und Loki übernahmen wir und verwalteten sie von Anfang an. Silvan Mühlemann, CTO und Co-Founder von mühlemann+popp, fasst es so zusammen:

«Nine hat uns mit ihrer Managed-Kubernetes-Lösung optimal unterstützt, um die Anwendung unseres Kunden von Google Cloud auf eine rein schweizerische Infrastruktur zu migrieren.»

Eine Migration von GKE zu NKE ist kein Neuaufbau. Wer auf Standard-Kubernetes ohne proprietäre GCP-Abhängigkeiten setzt, hat einen klar überschaubaren Aufwand. Wir unterstützen dabei mit Beratung, Proof of Concept und Migration.

Fazit

Es gibt keine universell richtige Antwort. Self-Hosted lohnt sich nur mit dediziertem Platform-Engineering-Team. Exoscale ist gut für Teams, die Kubernetes beherrschen und nur die Control Plane auslagern wollen. Hyperscaler sind die richtige Wahl für globale Skalierung, sofern Datensouveränität kein Thema ist. VSHN (APPUiO Cloud / VSHN Managed OpenShift) passt gut für Teams mit OpenShift-Erfahrung oder in stark regulierten Umgebungen, die eine enterprise-grade Managed-Plattform auf Schweizer Infrastruktur suchen. Swisscom Sovereign Kubernetes Service ist eine Option für grössere Unternehmen mit bestehender Swisscom-Beziehung und strengen Anforderungen an Schweizer Datenhoheit. Infomaniak lohnt sich für Teams, die bereits das Infomaniak-Ökosystem nutzen und einen kostenlosen Schweizer Einstieg mit eigener Kubernetes-Expertise suchen.

NKE ist die richtige Wahl, wenn dein Team den Plattform-Ops-Aufwand minimieren und Schweizer Datenhoheit sicherstellen möchte, und zwar ohne OpenShift-Abhängigkeit. Auch dann, wenn der Ausgangspunkt eine bestehende GKE-Installation ist.

Wenn du wissen möchtest, welche Option zu eurem Setup passt, sprechen wir gerne mit dir:

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